Strafjustizzentrum München

2026

Bauherr: Freistaat Bayern
Auftraggeber: Staatliches Bauamt München I
Planung: WB 2013 – 2025
Status: in Ausführung
Leistungsphasen: 2 – 9 (in Zusammenarbeit mit CLMAP, München)
Bruttogrundfläche m2: 102.000
Baukosten Mio €: 395

Visualisierung: © Archlab, Dresden
Fotos: © PLAN2, München

Im April 2013 wurde PLAN2 der 1. Preis beim europaweiten Realisierungswettbewerb zuerkannt und nach dem anschließendem VOF-Verfahren im Juli beauftragt.
Hier wird ein Bauwerk entstehen, das die Gerichtsorgane kompakt an einem einzigen Ort zentriert. In dem Strafjustizzentrum sind insgesamt 7 Institutionen des öffentlichen Rechts beheimatet, neben den 54 Gerichtssälen Büros für ca.1300 Personen.
Das Strafjustizzentrum ist aktuell (2025) das größte Hochbauprojekt des Freistaates Bayern.

Städtebau und Funktion

Das Baufeld liegt an der Nahtstelle der verkehrsreichen Dachauer Straße und dem Zugang zum attraktiven Olympiapark. Das neue Strafjustizzentrum wird als kompakte Blockrandbebauung mit differenzierten Bezügen zum umgebenden Stadtraum entwickelt. Mit den verschiedenen Richtungen und Höhenentwicklungen reagiert das Gebäude sensibel auf die verschiedenen städtebaulichen Randbedingungen.
Durch die konsequente Beschränkung des Gebäudes im nordwestlichen Teil des Grundstücks ergeben sich zukünftig weitere städtebauliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Der öffentliche Durchgang zum Rosa Luxemburg Platz und weiter zum Olympiapark wird so ohne eine stadträumlich einschränkende Überbauung freigehalten. Einblicke ins Gebäude entlang des Wegs machen diesen Bereich ansprechend.
Die Baumassen sehen eine leichte Erhöhung mit 5 Geschossen an der Dachauer Straße sowie eine deutliche Erhöhung auf 7 Geschosse für das Hauptgebäude und den Eingang am Leonrodplatz vor. Hier wird ein adäquater Auftakt des neuen Strafjustizgebäudes formuliert, der eine gute Fassung des Platzbereichs zur Stadt hin darstellt. Mit seinem gläsernen Fassadenausschnitt und dem Stadtbalkon vor dem Raum der Gerichtsbibliothek wird symbolisch die Transparenz und Offenheit der Rechtssprechung dargestellt.
Die Belichtung der Räume geschieht über die 3 Innenhöfe. Diese haben unterschiedlichen Charakter und dienen als Erholungsgarten vor der Kantine, zur Anlieferung und als multifunktionaler Hof.

Das Gebäude ist klar in öffentliche und nicht öffentliche Bereiche gegliedert und gestaltet. Die Wege sind kurz, die Funktionsbezüge einfach und direkt. Hochsicherheitsbereiche in den Bürotrakten sind von jeglichen Störungen ausgeschlossen.
Die stark frequentierten großen Verhandlungssäle erschließen sich beidseitig zum zentral gelegenen Eingangsfoyer. Diese Zonen sind gut orientierbar und verteilen das Besucheraufkommen gleichwertig auf die verschiedenen Verhandlungssäle. Lufträume und Verweilzonen schaffen interessante Raumeindrücke und bieten Aufenthaltsmöglichkeiten für die Besucher.

Architektur
Das neue Strafjustizzentrum wurde gestalterisch mit einer Balance aus Transparenz und würdevoller steinerner Architektur entwickelt.
In der Fassade werden in den Ebenen Erdgeschoss und erstes Obergeschoss Ganzglaselemente eingesetzt. Die transparente Fassade zeigt mit ihren einläufigen Treppen und Aufzügen das öffentliche Foyer als eindrucksvoller Kommunikations- und Erschließungsort.
Die Fassadenelemente der oberen Geschosse werden mit einem Raster aus hellen Lisenen und dunklen Verschattungselementen kompakter und dichter strukturiert. Diese thermische Fassade ist eine weitestgehend vorgefertigte und hoch gedämmte Rahmenkonstruktion und besteht aus einem energetisch und belichtungstechnisch optimalen Verglasungsanteil von ca. 65 %. Sie erhält einen außen liegenden, energetisch sehr effektiven Sonnenschutz aus Aluminiumlamellen.
Durch die helle und transparente Foyerzone wird der Anspruch der transparenten Rechtsprechung zusätzlich baulich und gestalterisch unterstrichen.
Die 54 Verhandlungsräume werden entsprechend der angemessen hochwertigen Nutzung mit einer Schallschutz- Holzverkleidung an den Wänden versehen. Durch abgehängte Schallschutz GK- Decken mit integrierten Technikelementen für Belüftung und Beleuchtung wird der Schall reduziert.

Besonderheiten
Das neue Strafjustizzentrum wird gemäß aller Regeln und Vorschriften des öffentlichen Bauens umgesetzt.
So werden z.B. als Ausgleich zu den versiegelten Flächen extensive Dachbegrünungen angewendet.
Um die Stromversorgung des Justizzentrums zu unterstützen sind die Dachflächen mit Photovoltaik Elemente versehen.
Die Fassade mit ihrer Dreifachverglasung und die Dächer mit der hocheffizienten Isolierung übertreffen – mit dem annähernd erfüllten Passivhausstandard – weit die gängigen Normen.
Das Gebäude entspricht den Vorgaben an das barrierefreie Bauen in öffentlichen Bauten.
So wurden in intensiven Gesprächen mit den Nutzern und dem Bauamt ein komplett barrierefreier öffentlicher Bereich mit einem baulich integrierten Leitsystem abgestimmt und realisiert.
Sämtliche 54 Verhandlungssäle sind so für die Besucher barrierefrei.

Strafjustizzentrum München – Projektdaten

Projektverlauf:
Wettbewerb: 04.2013
Beauftragung: 07.2013
HU-Bau: 05.2015
Spatenstich: 11.2015
Grundsteinlegung: 07.2018
Fertigstellung: 12.2025
Übergabe/ Inbetriebnahme: 03.2026

Nutzer (Strafsenate):
Amtsgericht
Landgericht München I
Landgericht München II
Oberlandesgericht München
Generalstaatsanwaltschaft München
Staatsanwaltschaft München I
Staatsanwaltschaft München II

Frequentierung:
Mitarbeiter: 1300 Personen
Besucher: 1300 Personen

Gebäudedaten:
Grundstücksfläche gesamt: 31.568 qm
Bebaute Fläche: 22.169 qm

Flächenwerte:
NF: 38.953 qm
BGF: 101.645 qm
BRI: 441.235 cbm