Bauherr: Freistaat Bayern,
Auftraggeber: StBAErN, Erlangen/ Nürnberg
Planung: 2017 – 2026
Bauzeit: 2021 – 2026
Status: In Ausführung
Leistungsphasen: 2 – 9
Bruttogrundfläche m2: 6.432
Bruttorauminhalt m3: 24.622
Baukosten Mio €: 25
Fotos / Zeichnungen: © PLAN2, München
Der Neubau des Zu- und Abgangsgebäudes entsteht im Rahmen der Neustrukturierung der Eingangsbereiche in der JVA. PLAN2 wurde über ein Vergabeverfahren für diese Aufgabe ab 2017 ausgewählt.
Im nördlichen Bereich des Geländes der JVA Nürnberg an der Reutersbrunnenstraße wird durch das Architekturbüro Frick Krüger Nusser Plan2 GmbH Neubauten geplant, bestehend aus zwei oberirdischen Gebäuden, die durch einen unterirdischen Verbindungsgang miteinander verbunden sind. Außerhalb der Anstaltsmauer wird das eingeschossige, teilunterkellerte Empfangsgebäude (Haus S, „Satellit“) als Zugang für die Besucher errichtet. Innerhalb der Anstaltsmauer ist ein dreigeschossiges Zu- und Abgangsgebäude als Hauptgebäude (Haus Z) geplant. Der die beiden Gebäude verbindende „Tunnel“ führt unter der Anstaltsmauer hindurch. Für Bedienstete ist zusätzlich erdgeschossig eine Türe in der Anstaltsmauer als Zugang über die Fahrzeugschleuse vorgesehen.
Funktion und Nutzung
Im Neubau (Haus Z) werden sehr verschiedenartige Nutzungen untergebracht: im EG die Aufnahme und Entlassung der Gefangenen, im UG die dazugehörige Kammer, der Umkleidebereich für die Vollzugsbediensteten sowie diverse Technikräume. Im 1.OG befinden sich die Besuchsabteilung und Teile der Verwaltung, im 2. OG die Verwaltung der JVA.
Im Außenbereich des Erdgeschosses ist eine gesicherte Fahrzeugschleuse angegliedert.
Im diesem Zu- und Abgangsgebäude (Haus Z) befinden sich auch die technisch und sicherheitstechnisch besonders anspruchsvollen Räume der Torwache und der Sicherheitszentrale.
Im Satelliten (Haus S) befindet sich ein, der Torwache vorgelagerter Raum zur Erstkontrolle sowie ein Wartebereich und die Personenkontrolle für Besucher und die Paketanlieferung.
Im Neubau werden verschiedene Nutzungen zusammengefasst, die derzeit in mehreren Gebäuden über das gesamte Gelände der JVA verteilt sind. Durch die, aufgrund der unterschiedlichen Nutzungen und den Sicherheitsanforderungen, stark differierenden Grundrisse und Erschließungen stellt sich die innere Trag- und Erschließungsstruktur des Gebäudes als von Geschoss zu Geschoss wechselndes System dar.
Die Grundrissstruktur, die Enge des Baufeldes und die Sicherheitsanforderungen des Gefängnisbetriebes definieren somit ein besonderes Anforderungsprogramm an das Planen und Bauen.
Bauwerksgeometrie
Beide Gebäude erscheinen als einfache quaderförmige Baukörper. Die Eingangsbereiche sind mit rückspringenden Fassaden gekennzeichnet. Die Unterkellerung reicht im Süden und Westen über die Gebäudeumrisse des Hauptgebäudes hinaus und schließt über die gesamte Länge seiner Längsseite an den bestehenden unterirdischen Versorgungsgang an. Das Nebengebäude Haus S („Satellit“) ist teilunterkellert.
Erschließungsstruktur
Äußere Erschließung:
Von der Reutersbrunnenstraße erfolgt die Zufahrt auf das Gelände der JVA über die allseitig umschlossene Fahrzeugschleuse hinter der bestehenden Anstaltsmauer. Mit der Fertigstellung des neuen Zugangsgebäudes wird der aktuelle Hauptzugang geschlossen, der sich derzeit an der Mannertstrasse befindet („Tor 1“). Der Hauptzugang für Bedienstete, Besucher und Lieferanten wird dann ausschließlich über das Tor an der Reutersbrunnenstrasse erfolgen.
Innere Erschließung:
Durch das Grundprinzip der strikten Trennung der Wegeführung für Gefangene, Besucher und Bedienstete ergibt sich ein komplexes System der Erschließung im Gebäude.
Der Zutritt für Besucher und Bedienstete erfolgt über den vor der Anstaltsmauer liegenden Satelliten.
Vor der Umfassungsmauer findet Im Haus S die Überprüfung aller Personen statt, welche die JVA betreten und verlassen.
Durch einen unterirdischen Gang gelangt man vom Satelliten (Haus S) in das Zu- und Abgangsgebäude (Haus Z).
Dort erreichen die Bediensteten über das innenliegende Bediensteten-Treppenhaus (TH2) alle Ebenen im Gebäude. Besucher benutzen ein separates Besucher-Treppenhaus (TH1) an der Nordfassade, das in die Besuchsabteilung im 1. OG des Hauptgebäudes führt. Die Gefangenen erreichen das Gebäude über das vorhandene, unterirdische Wegesystem, welches räumlich gesehen von der anderen Seite (von Süden) durch den bestehenden Versorgungsgang in das UG des Neubaus von Haus Z führt. Die Gefangenen werden auf kürzestem Weg in das außenliegende Gefangenen-Treppenhaus (TH3) geführt, das die Besuchsabteilung (1.OG) und die Abteilung für Aufnahme und Entlassung (EG) erschließt.
Die Wegeführungen für Besucher und die für Gefangene verlaufen absolut getrennt und kreuzungsfrei voneinander, erst in den Besuchsräumen begegnen sich Gefangene und Besucher.
Sowohl im Gefangenen- als auch im Besucher-Treppenhaus ist für Behinderte ein Aufzug vorhanden.
Fahrzeuge (Lieferanten, Feuerwehr, Gefangenentransporte) gelangen über ein unmittelbar neben dem Zu- und Abgangsgebäude befindliches Tor in eine Fahrzeugschleuse, wo sie überprüft werden, und von dort auf das Gelände der JVA.
Durch eine separate Tür in der Anstaltsmauer führt ein Zugang für Bedienstete durch die Fahrzeugschleuse zu den Zeiten, zu denen die Torwache im Satelliten nicht besetzt ist.
Sicherheit
Durch seine Funktion als Schnittstelle zwischen dem „Innen“ und dem „Außen“ der JVA kommt dem Zu- und Abgangsgebäude eine besondere Rolle zu.
In den Torwachen im Satelliten und dem Zu- und Abgangsgebäude wird jeglicher Zu- und Abgangsverkehr kontrolliert und protokolliert.
Im Technikraum der Sicherheitszentrale im 1.OG des Zu- und Abgangsgebäudes findet sich die technische Infrastruktur dazu, hier laufen sämtliche Kontrolldaten aus dem ganzen Gelände der JVA zusammen:
Besonderheit
Die Herausforderung bei dieser Aufgabe war, ein Konzept zu entwickeln, welches das Bauen bei laufenden Vollzugsbetrieb mit den extremen Sicherheitsvorkehrungen zuließ. Durch die Entwicklung eines Sicherheitskonzeptes mit verschiedenen temporären Bauabschnitten konnte zu jeder Zeit ein sicheres Umfeld innerhalb und außerhalb der JVA Nürnberg geschaffen werden.
Als oberstes Entwurfsprinzip musste die Trennung der verschiedenen Erschließungswege beachtet werden. Die konsequent getrennte Führung der Besucher, der Vollzugsbeamten und der Gefangenen durch die Gebäude war hier zwingend notwendig.